Wir lieben Eiszeiten
Shownotes
Das Klima der Erde hat sich schon immer gewandelt? Das stimmt – und wie! Vom globalen Magma-Ozean über den „Schneeball Erde“ bis zur Gegenwart wechselten sich zahlreiche Eiszeiten und Heißzeiten ab, und von einer zur anderen war die Erde manchmal kaum wiederzuerkennen. In den Hauptrollen dieses Dramas: die Sonne, kleine und große Lebewesen, Vulkane, und immer wieder die Erdatmosphäre mit ihren Treibhausgasen. Und seit neustem dabei: der Mensch. Wir lieben Eiszeiten, denn sie lehren uns wohin wir das Erdklima womöglich treiben, wenn wir nicht aufpassen.
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Dieser Podcast wird begleitet von der Universität Hamburg, deren Lehrstuhl für Didaktik der Physik erforscht, wie dieser Podcast bei Euch ankommt – und wo noch Fragen offen bleiben. Wenn Ihr bei dieser Forschung mithelfen möchtet, füllt sehr gern den Fragebogen hinter diesem Link aus.
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Für noch mehr spannende Geschichten und wissenschaftliche Einblicke in die Klimageschichte der Erde, die Geologie und die Astrophysik empfehlen wir den Podcast AstroGeo von Karl Urban und Franziska Konitzer und insbesondere diese Folgen: Massensterben im Treibhaus | Das Ende der Dinosaurier: Massensterben im Frühling | Ninjas der Nacht: Die Entwicklung der Säugetiere
„Jetzt mal ganz in Ruhe“ ist eine Studio Feynstein Produktion und wird im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit der Universität Hamburg von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert.
Michael Büker, Johannes Kückens und Jens Schröder haben sich als beliebte Physik-Erklärer bei Audible einen Namen gemacht. Dort erscheint seit 2018 wöchentlich ihr Podcast „Sag mal, du als Physiker“, in dem sie die Physik hinter den Dingen des Alltags entdecken, die Rätsel des Weltraums ergründen und manchmal sogar Ausflüge in die rätselhafte Quantenwelt machen. Außerdem sind die die drei mit der Live-Show „Sag niemals jetzt“ auf Tour.
Transkript anzeigen
00:00:00: In dieser Folge von Jetzt Mal Ganz in Ruhe erfahrt ihr, auf welchen Wegen sich das Klima der Erde seit Jahrmilliarden schon immer verändert hat.
00:00:07: Wie die große Sauerstoffkatastrophe fast alles Leben auf der Erde gekillt hat was bei der kambrischen Explosion eigentlich hochgegangen ist und warum wir an Eiszeiten viel für unser heutiges Verständnis des Klimas lernen können.
00:00:19: Viel Spaß!
00:00:50: Herzlich willkommen liebe Hörerinnen, liebe Höhrer.
00:00:53: zur fünften Folge von jetzt mal ganz in ruhe Wir freuen uns dass ihr wieder dabei seid oder immer noch dabei seid.
00:00:58: Heute müsst ihr euch aber besonders gut anschnallen, denn wir rasen durch die Zeit.
00:01:02: Die Jahrmilliarden werden nur so an uns vorbeirauschen links und rechts.
00:01:06: Und damit wir auch ja nicht irgendwo falsch abbiegen habe ich jetzt zwei Navigatoren heute dabei, die uns durch die gewaltige Zeitreise steuern nämlich die Physiker Michael Milankowicz-Zyklenbüker.
00:01:19: Karbonzeitalter Kückens.
00:01:21: Hallo, moin!
00:01:22: Und ich werde in der Zeitmaschine schon mal die Lüftung anstellen.
00:01:25: wenn wir ganz zum Anfang der Erde springen dann wird es mächtig heiß sein um uns rum?
00:01:29: Ja jetzt heißt unsere Folge allerdings ja wir lieben Eiszeiten und nicht... Wir bauen uns eine Zeitmaschine.
00:01:33: vielleicht erklärt ihr mal unseren Hörerinnen und Hörern erstmal was das mit dem Titel der Folge eigentlich auf sich hat und was genau wir an den Eiszeite überhaupt lieben sollen denn soweit ich mich erinnere waren sie nicht so gemütlich
00:01:44: Das stimmt, aber wie du schon angekündigt hast wollen wir uns in dieser und auch in der nächsten Folge ja die Klimageschichte der Erde samt der Eiszeiten, die es immer wieder gab mal ganz genau anschauen.
00:01:54: Denn unser Planet sei nicht immer so aus wie heute sondern hat viele dramatische Veränderungen durchgemacht und oft oder fast immer verbunden mit großen Temperaturschwankungen.
00:02:04: Und ich würde sagen, dass wir die Eiszeiten durchaus lieben sollten.
00:02:06: Denn das Wissen um die Eiszeit und all die anderen dramatischen Veränderungen in der Erdgeschichte hat uns überhaupt erst gezeigt, dass das Klima der Erde wandelbar ist!
00:02:15: Und das Wissen darum, wie sehr sich die Erde wandelt im Laufe der Zeit.
00:02:18: Dass es noch gar nicht so alt.
00:02:19: zum Beispiel glaubte ein Großteil der Wissenschaften noch bis in die fünftiger Jahre nicht dass sich die Kontinentalplatten bewegen und die Geologie ging eher so nach dem Motto vorher war schon immer da sah schon immer so aus wird auch immer so bleiben.
00:02:31: Das war vollkommen falsch Wie wir heute wissen.
00:02:33: In Wahrheit haben sich die Bedingungen auf der Erde mehrfach komplett umgekrempelt Schon lange bevor es uns Menschen gab.
00:02:38: und um zu verstehen welchen Klimaveränderung Wir Heute ins Auge Sehen lohnt Es sich sehr wenn wir diese Geschichte besprechen.
00:02:44: Das leuchtet mir natürlich total ein und ist auch interessant, dass Wort Eiszeiten taucht ja auch in der heutigen Diskussion öfter auf so als Totschlagargument wenn es ums Thema Klima geht.
00:02:52: Da kann man ja auch ein bisschen was drüber lernen.
00:02:54: heute Genau und um kurz vorzugreifen, also dadurch dass wir Menschen die Zusammensetzung der Erdatmosphäre ja heute stark verändern indem wir Treibhausgase zusätzlich frei setzen führen wir wahrscheinlich eine Veränderung herbei die wirklich ähnliche Ausmaße annehmen kann wie die Wechsel die wir in der langen Erdgeschichte zwischen Eiszeiten und warmen Perioden schon beobachten können.
00:03:12: Deshalb ist das auch so interessant heute darüber zu reden.
00:03:15: aber es ist natürlich auch ein Problem und darum kümmern wir uns dann nächste Woche in der Folge Das Problem mit den Eiszeilen.
00:03:20: Heute freuen wir uns erst mal, dass die Eiszeiten uns etwas leeren wenn wir darüber nachdenken und sie ausforschen.
00:03:26: So ich würde das vielleicht sogar noch provokanter aber nochmal formulieren als Frage Wir wollen ja eigentlich erklären ob die weltweite Temperaturzunahme auf der Erde, die wir heute messen Nicht vielleicht auch natürlich ein Ursprungs sein könnte, also gar nichts mit jetzt Verbrennen von fossiler Energie und so weiter zu tun haben.
00:03:42: Genau das können wir auch noch besprechen.
00:03:43: die Antwort auf diese konkrete Frage müssen wir aber auf nächste Woche verschieben.
00:03:47: heute wollen wir erst mal verstehen wodurch naturliche Klimaveränderungen ausgelöst worden sind Also welche geologischen und biologischen Und chemischen und sogar auch physikalische Prozesse dahinter stecken.
00:03:57: und ich kann dir verraten Das ist ganz schön kompliziert.
00:04:00: man weiß heute auch nicht alles darüber denn je weiter Mann in der erdgeschichte zurück schaut desto weniger gut ist auch die Datenlage, die wir haben.
00:04:06: Trotzdem haben Forscherinnen und Forscher über die letzten Jahrzehnte schon eine ganze Menge darüber rausgefunden wie es vor Jahrmilliarden auf der Erde ausgesehen hat.
00:04:14: Und ich würde sagen, wer ankern jetzt mit unserer Zeitmaschine mal zu einer Zeit für ungefähr vierundhalb Milliarden Jahren – da machen wir mal einen Stopp!
00:04:20: Da gucken wir uns erstmal um….
00:04:21: Zu dieser Zeit sind die Sonne- und das Sonnensystem in seinen Planeten gerade entstanden Und damals war die Erde noch eine sehr heiße Kugel aus Gestein und Metall, mit einer komplett geschmolzenen Oberfläche.
00:04:32: Diese Oberfläche der ganz frühen Erde nennt man auch den Magma-Ozean.
00:04:36: Kann sich das richtig vorstellen?
00:04:37: wie wahrbandes, geschmOLzendes GesteIN?
00:04:39: Überall auf der ganzen Oberfläch!
00:04:42: Die Erde hatte damals vermutlich noch für kurze Zeit so eine Art Uratmosphäre aus Wasserstoff und Helium.
00:04:47: Die sehen wir heute bei den Gasriesen im äußeren Sonnensystem immer noch, aber hier in der Nähe der Sonne ist die wahrscheinlich von der gerade aufblühenden sozusagen Sonne weggeblasen worden – und die Erde hatte dann erst mal gar keine Atmosphere mehr!
00:05:00: Also wenn wir mit unserer Zeitmaschine jetzt grad dahin gefahren sind, würde ich vorschlagen, wir steigen da besser nicht aus.
00:05:05: So eine Erde fast ohne Atmosfäre und bedeckt von Markmar-Ozern klingt Lebensunfreundlich zumindest.
00:05:13: Genau, also besser schnell weg hier würde ich sagen.
00:05:14: Wir springen mal rund siebenhundert Millionen Jahre weiter und jetzt befinden wir uns knapp vier Milliarden Jahre vor der heutigen Zeit.
00:05:21: Die Erde ist inzwischen deutlich abgekühlt denn sie hat viel ihrer Hitze ins All abgestrahlt.
00:05:26: Das funktioniert übrigens sehr gut weil ja noch keine Atmosphäre da war mit Treibhausgasen die jetzt irgendwie noch Wärme zurückhalten konnten.
00:05:32: Außerdem wurde die Erde auch nicht mehr so häufig In dieser zeit von anderen Himmelskörpern bombardiert, die nachher aus der frühzeit des Sonnensystems umherirten.
00:05:39: Am Anfang war er ein wahnsinniges Bomberdemont das auf und sie auch warm hielt.
00:05:44: Es kehrte jetzt langsam Ruhe ein, nun konnte die erste echte Atmosphäre entstehen.
00:05:50: Damit sich eine Gasschicht dauerhaft um die Erde herumhalten kann, darf die Erde nicht zu heiß sein.
00:05:58: Heiße Atmosfere bedeutet ja, die Gastheichen flitzen irre schnell herum.
00:06:03: So können Sie dem schwere Feld der Erde, also der Schwerkraft entkommen ins All entweichen.
00:06:08: Jetzt war aber der Moment gekommen, wo die Erde kalt genug war, dass sich dauerhaft eine Atmosphäre halten
00:06:13: konnte.
00:06:13: Weil die Teilchen nicht mehr so schnell geflitzt sind... Also für uns spätere Erdenbewohner ist das ja eher eine positive Erfindung, so ne Gasschicht, die auch da bleibt?
00:06:21: Ja!
00:06:22: Aber sie war damals noch völlig anders zusammengesetzt als heute.
00:06:24: also für uns wäre es keine lebensfähige Atmosphere.
00:06:28: Ganz genau weiß man es natürlich nicht, wie sie aufgebaut war.
00:06:30: Aber man vermutet, dass sie wohl so zu achtzig Prozent aus Wasserdampf und zehn Prozent aus Kohlendioxid bestand.
00:06:36: Auch noch viel Schwefelwasserstoff war vermutlich drin.
00:06:39: Woher das Wasser auf der Erde genau kam?
00:06:41: Das ist ja bis heute auch noch nicht restlos geklärt.
00:06:44: aber zumindest ein großer Teil muss genau wie das CO-Zwei durch diese riesigen Magmarströme die da ständig sprudelten sozusagen freigesetzt worden sein weil Wasser und Kohlendioxid können nämlich im Gestein eingelagert oder auch chemisch gebunden sein.
00:06:58: Man hat ja Wasser und auch Kohlendioxid schon in Asteroiden gefunden, das ist auch noch ein wichtiges Indiz für eine Vermutung die es ebenfalls gibt dass ein gewisser Anteil des Wassers von Kometen oder Asteroidern auf die Erde gebracht worden sein könnte.
00:07:10: Und warum gab es denn zu der Zeit?
00:07:12: Wir sind vor vier Milliarden Jahren vor unserer Zeit heute Wasser jetzt eigentlich als Wasserdampf nur in der Erscheinungsform Dampf.
00:07:19: also Achtzig Prozent Wasserdampfeinteil in der Atmosphäre ist sehr viel.
00:07:24: Da müsste es ja auch Thema Klima doch ziemlich viel regnen.
00:07:27: Ich erinnere mich an unsere erste Folge, wo ihr erklärt habt, dass heute ungefähr Null vier Prozent der Atmosphäre aus Wasserdampf bestehen und schon das reicht ja für Regen aus!
00:07:34: Also wieviel muss es denn regnen wenn da achtzig Prozent Wasserdampf sind?
00:07:37: Im Prinzip stimmt das, aber damals waren die Erdoberfläche und die Atmosphäre doch noch zu warm dafür.
00:07:42: Das heißt dass Wasser konnte gar nicht kondensieren also zu Wassertröpfchen sich zusammenfinden und deswegen auch nicht abregnen.
00:07:48: Aber es kam irgendwann der Moment da die Erde und die atmosphere genügend abgekühlt waren Und dann hat es zum ersten mal geregnet
00:07:54: über dem heutigen England wahrscheinlich
00:07:56: vielleicht Je nachdem, wo England damals gewesen sein mag auf der Erdoberfläche.
00:08:01: Jedenfalls hat es ordentlich geregnet.
00:08:03: die Forschung geht von zehntausenden Jahren Dauerregen aus vielleicht sogar noch länger und dadurch sind die ersten Ozeane entstanden.
00:08:10: das Wasser kam irgendwo zum Liegen auf der erdober Fläche Und Es Hat ozeane gebildet und in diesen Ozean hat sich dann auch nach relativ kurzer Zeit schon Leben Gebild.
00:08:20: Diese ersten einzeligen Lebewesen hatten allerdings noch einen komplett anderen Stoffwechsel als die Pflanzen und die Tiere, die wir heute kennen.
00:08:27: Diese ersten Lebewesen, die sogenannten Archäen, stießen vor allen Dingen bei ihrem Stoffwechsel Methan aus.
00:08:32: Und dieses Methan hat sich dann in der Atmosphäre wirklich merklich zu einem großen Teil angesammelt.
00:08:38: Jetzt kommen wir zu diesen Mechanismen, denen den Wechsel von verschiedenen Klimabedingungen offensichtlich bedingt haben.
00:08:44: Also Wasserdampf hat abgenommen in der atmosphere weil es rausgeregnet ist Und Methan kam dann dazu, weil die Archäen das ausgestoßen haben.
00:08:52: Das ist schon mal eine große Veränderung!
00:08:53: Genau und so ist das entstanden was man die zweite Atmosphäre nennt und die bestand vor allem aus Kohlendioxid und aus Stickstoff und in der aber auch Methan sich immer stärker angesammelt hat.
00:09:02: und Methan is ein sehr wirksames Treibhausgas, das haben wir schon erwähnt.
00:09:06: Das hat zusammen mit dem Kohlendioxid, was ja schon da war, die Erdoberfläche warm gehalten und das hat natürlich auch die Evolution des Lebens begünstigt, weil er denn nicht immer weiter ausgekühlt.
00:09:16: Wir sind jetzt ungefähr angekommen bei der Zeit vor dreieinhalb Milliarden Jahren.
00:09:20: Das heißt, die Entstehung der Erde ist ne Milliarde Jahre her und eine zweite Atmosphäre hat sich bereits gebildet und die Erdoberfläche ist von Ozeanen bedeckt in denen es von Archäen wimmelt.
00:09:29: Und das Leben?
00:09:30: Archäeen sind ja Lebewesen!
00:09:32: Hat ja dann schon sehr früh begonnen und ja offensichtlich auch gleich dabei mitgemischt die Zusammensetzung der Atmosfere irgendwie zu beeinflussen.
00:09:39: also der Ausstoß von Methan hat ja vermutlich das Klima des Planeten auch beeinflusst damals
00:09:44: Ja, sehr stark sogar.
00:09:45: Denn Methan war damals noch ein viel wirksameres Klimagas als es heute ist und das liegt daran dass es damals sehr lange stabil in der Luft blieb – viel länger als heute!
00:09:55: Und das kommt wiederum daher, dass es noch kein Sauerstoff in der Atmosphäre gab.
00:09:58: Heute haben wir ja sehr viel Sauerstoff in der Luft, über zwanzig Prozent und dadurch wird Methan in der Atmosphäre relativ schnell wieder abgebaut.
00:10:06: Es trifft Sonnenlicht auf das Methan – es fällt sozusagen chemisch auseinander – und verbindet sich dann mit dem Sauerstoffs in der luft zu Kohlendioxid-und Wasser.
00:10:14: Damals war aber noch kein Sauerstauf in der Luft und deshalb konnte sich sehr viele Methan an der Atmosphäre ansammeln
00:10:20: Und dadurch wurde es dann besonders heiß.
00:10:21: Eigentlich wollten wir ja liebevoll von Eiszeiten erzählen, jetzt sind wir erstmal in so einer heiße Situation reingeschlittert im Erklären hier.
00:10:27: Wir werden auch gleich noch eine Eiszeit kennen lernen.
00:10:29: aber jetzt tatsächlich wird die Erde erst mal warm gehalten und das war aber auch ganz nützlich denn die Sonne hat damals noch deutlich schwächer geleuchtet als heute.
00:10:36: Als sie sozusagen gestartet war mit dem Beginn des Sonnensystems hatte sie sogar nur siebzig Prozent der heutigen Leuchtkraft und hat eben deswegen auch nur siebsich Prozent der heutigen Leistung auf unseren Planeten Erde geschickt...
00:10:47: Weil sie noch jung war
00:10:50: Ja, weil tatsächlich ein Stern wie unsere Sonne mit der Zeit immer heller leuchtet und damals war sie eben noch nicht so weit.
00:10:56: Und damals hat sich dann ungefähr alle hundertfünfzig Millionen Jahre die Leuchtkraft- und damit die Wärmeleistung der Sonne um etwa einen Prozent gesteigert.
00:11:03: Das war so'n laufender Prozess.
00:11:05: Dann war es jetzt also umso wichtiger für die Evolution des Lebens dass ein damals sehr starker Treibhautseffekt wieder vom Methan zum Beispiel warm hält, wenn eben weniger Sonnenenergie angekommen ist damals.
00:11:17: Denn wenn es zu kalt ist dann verlangsam sich ja auch die biochemischen Prozesse und dann entsteht Leben zumindest nicht so einfach wie es dann offensichtlich entstanden ist.
00:11:25: Genau!
00:11:25: Und trotzdem hat sich das Leben selbst wieder ausgebremst denn nun brachte die Evolution die Fotosynthese hervor also es entstanden die ersten Bakterien die CO-II und Wasser verarbeiten konnten und dabei Sauerstoffmoleküle aus diesem Stoffwechselprozess freigesetzt haben.
00:11:41: Anfangs hat der Sauerstoff in den Meeren, in denen die Einzeller ja lebten, viele chemische Reaktionen ausgelöst und wurde so auch recht schnell wieder gebunden.
00:11:49: Also erreicherte sich anfangs nicht an aber dann waren das irgendwann alles abgeschlossen und es war sozusagen ein Überschuss von Sauerstoffs da, der dann im Meerwasser immer mehr wurde und irgendwann dann auch Aufstieg in die Luft.
00:12:00: In der Luft hat der Sauerstoff dann erst mal dafür gesorgt, dass sich die Erdoberfläche chemisch verändert hat.
00:12:05: Die ist durchgerostet kann man eigentlich sagen.
00:12:08: Also viele Stoffe, die an der Erdobergfläche frei lagen sind oxidiert.
00:12:11: Kohlenstoff, Schwefel, Eisen und so weiter.
00:12:14: Und dadurch hat sich vermutlich sogar die Farbe der Erde geändert von Basal-Schwarz, von eben erstaartem Gestein zu Rostrot.
00:12:20: Also die Erdoberfläche ist durch gerostet?
00:12:22: Hast du gerade Flapsig gesagt aber das stimmt ja dann tatsächlich!
00:12:25: Die ist wirklich gerosted.
00:12:26: Genau weil das sozusagen der beste Reaktionspartner war für den neuen der Atmosphäre vorhandenen Sauerstoff vorhanden war.
00:12:32: Und irgendwann war das aber abgeschlossen, dann war sozusagen alles fertig durchgerostet und der ja trotzdem immer weiter produzierte Sauerstoffs hat sich in der Atmosphere angereichert wurde langsam aber stetig immer mehr.
00:12:43: Das hatte sehr dramatische Folgen.
00:12:45: wir sind jetzt ungefähr bei der Halbzeit der Erdgeschichte für ungefähr zwei Komma vier Milliarden Jahren.
00:12:51: da brach nämlich über die Erde die große Sauerstockatastrophe herein.
00:12:55: Das klingt jetzt erstmal komisch, eine Sauerstoffkatastrophe.
00:12:58: Ich frage mich jetzt spontan was ist so schlimm an Sauerstoffs?
00:13:01: Er hat ja die Erde für höheres Leben, für Tiere und für unser eins eigentlich erst ja bewohnbar gemacht weil wir ja sauerstoff in unserem stoffwechsel brauchen wie die luft zum atmen
00:13:10: Ganz genau.
00:13:11: Aber damals gab es noch keine Tiere, sondern es gab ihnen ganz viele verschiedene Einzeller und für die allermeisten davon war der Sauerstoff im Wasser und in der Luft ein tödliches Gift.
00:13:20: Denn Sauerstoffs ist chemisch ja sehr aggressiv also reaktionsfreudig und das störte den Stoffwechsel vieler Lebewesen so stark dass ein regelrechtes Massen aussterben unter diesen Einzellern im Gang
00:13:30: kamen.
00:13:31: Und es ist noch etwas Dramatisches passiert.
00:13:33: Der Sauerstoff in der Luft war jetzt nämlich dafür zur Verfügung, mit dem Methan zu reagieren und zu Kohlendioxid und Wasser zu werden.
00:13:40: Dadurch hat sich der Treibhauseffekt enorm abgeschwächt.
00:13:43: Damit ist die Temperatur der Erde auch dramatisch gefallen.
00:13:47: Weil Kohlendioxid jetzt entstand und Methan weniger wurde?
00:13:50: Und Kohledioxid ist ja ein weniger starkes Treibhausgas als Methan.
00:13:55: Genau!
00:13:56: Das führte dann... in einem längeren Prozess zur ersten großen Vereisung der Erde.
00:14:01: Und die ist bekannt als die sogenannte Huronische Eiszeit, hast du es weit auch schon mal gehört?
00:14:05: Nein, hab ich nicht gehört!
00:14:07: Die heißt so weil Geologen in der Gegend des Huronsees im Kanada wirklich Erdschichten entdeckt haben, die darauf hinweisen dass Gletscherbewegungen zu dieser Zeit stattgefunden haben riesige Gletscherebewegung.
00:14:18: Der wissenschaftliche Name ist allerdings ein bisschen komplizierter.
00:14:20: Ich habe mir den mal aufgeschrieben.
00:14:22: Das Ding heißt also dieses riesige Eiszeit Paleo Protherozoische Vereisung.
00:14:28: Ich glaube, solche Worte mögen wirklich nur Geologinnen und Pallionthologen die Zeitalter- und Ereignisse der Erdgeschichte beschreiben.
00:14:35: Kann ich diese Worte Kraft meines Moderatorenamtes aus diesem Podcast jetzt verbannen vielleicht in die Zukunft?
00:14:40: Weil sie helfen dich!
00:14:41: Ja
00:14:41: nicht so ganz.
00:14:42: also ich kann mir die zwar auch nicht merken aber die Geologie ist natürlich sowas wie die Schlüsselwissenschaft um etwas über die Erdgeschichte.
00:14:51: Deshalb dürfen die Geologinnen und Geologen natürlich auch die Wörter dafür erfinden, aber für uns Physiker sind das wirklich Zungenbrecher.
00:14:57: Ja wenn wir von ganz früher erzählen dann benutzen wir völlig normale Worte wie zum Beispiel primordiale Nukleosynthese.
00:15:03: ja damit ist gemeint wie die ersten Atomkerne kurz nach dem Urknall entstanden.
00:15:07: Das
00:15:07: stimmt so schön, einfach kann man eben Fachbegriffe auch ausdrücken.
00:15:10: So wie du gerade.
00:15:11: Ein kleiner Begriff ist ja schon in eine Umgangssprache eingegangen glaube ich!
00:15:15: Urknall ist jetzt aber zu lange her.
00:15:16: wir wollen wieder auf die Klimageschichte einschwenken also Bestecken habt ihr gesagt.
00:15:20: mitten in der ersten großen Eiszeit nach dem Huronsee benannt in Kanada vor zwei Komma vier bis zwei Milliarden Jahren so ausgelöst durch die große Sauerstoffkatastrophe, die wiederum eine Klimakatastrophe samt Eiszeit bewirkt hat.
00:15:37: Durch chemische Veränderungen in der Atmosphäre – sehr interessant!
00:15:40: Wie also so Sachen, die auf der Erde abgelaufen sind, die Atmosfere und ihre Eigenschaften und ihre Mechanismen total umgegrimpelt haben damals?
00:15:47: Das kann man daran ja schon mal sehen... Warum lieben wir jetzt denn bitte diese Eiszeit?
00:15:50: Also, wir haben ja endlich mal eine gefunden.
00:15:52: Ja genau.
00:15:52: Wie lieben die jetzt?
00:15:53: Heiß und innig!
00:15:54: Ich
00:15:54: würde sagen, weil wir so viel daraus lernen können.
00:15:56: Denn das Verschwinden des Methans aus der Atmosphäre war vermutlich ein wichtiger Auslöser für diese erste Eiszeit aber der Effekt alleine hätte nicht ausgereicht umso ein gewaltiges langes und tiefes Eiszeitalter zu verursachen.
00:16:09: Die ironische Eiszeit hat rund dreihundert Millionen Jahre gedauert du hast es eben schon gesagt Und ist gut möglich dass nahezu die gesamte Erdoberfläche mit Eis bedenken.
00:16:18: Deswegen nennt man das auch ein Schneeballerdeereignis.
00:16:21: Allerdings ist es nur eine Hypothese, aber die Polkappen und sicher auch große Bereiche der mittleren Breiten waren definitiv vereist Aber eben nicht nur wegen dieser direkten Abkühlung der Erde, weil das Treibhausgasmetan jetzt fehlte.
00:16:33: Sondern es kam dann noch zu einem sogenannten positiven Rückkopplungseffekt sogar zu mehreren.
00:16:38: So nennt man ja Ereignisse die so eine anfängliche Abkühlung oder auch eine Erwärmung des Klimas noch zusätzlich verstärken und dann vorantreiben.
00:16:45: Und wir haben ja einen Rückkopplingseffekt schon kennengelernt in der zweiten Treibhauseffektfolge.
00:16:50: vielleicht erinnerst du dich noch Jens welcher das war?
00:16:52: Ja ich habe glaube ich aufgepasst.
00:16:54: Ich vermute mal du meinst dass mit dem Wasserdampf als Rückkopplung.
00:17:00: Wenn es durch mehr CO² in der Luft wärmer wird, dann nimmt durch diese Mehrwärme die Luft mehr Wasserdampf auf durch Verdunstung von Meeren und so.
00:17:08: Und weil Wasserdampf aber auch ein Treibhausgas ist, wird das dadurch noch mal mehr Wärme.
00:17:13: Das ist dieser Rückkopplingseffekt, dass sich immer weiter verstärkt.
00:17:16: Genau, und solche Rückkopplungseffekte gibt es natürlich auch in Richtung niedrigerer Temperaturen.
00:17:22: Und dann wird das eben immer kälter mit den Veränderungen.
00:17:26: Ein solcher Effekt war damals besonders bedeutsam.
00:17:29: als es langsam kältern wurde sind zunächst die Polkappen vereist.
00:17:33: Dort wurde das Sonnenlicht auf der weißen Oberfläche des Eises fast vollständig ins All zurück reflektiert.
00:17:38: also Annahme verweigert hast du so schön gesagt in einer unserer ersten Folgen.
00:17:42: Es kam also wegen der immer größeren Eisflächen auch immer weniger Wärme von der Sonne dauerhaft auf der Erde an und dadurch ist die Erde immer weiter abgekühlt.
00:17:51: Dadurch sind die Eisfläche immer weiter angewachsen, und es ist immer mehr sonnenlich sozusagen zurückgewiesen worden.
00:17:57: Und das war auch wieder ein Rückkopplungseffekt.
00:18:00: Der hat die Abkühlungen so lange verstärkt bis eben womöglich sogar die ganze Erde vom Eis bedeckt gewesen
00:18:06: ist.
00:18:06: Das ist sehr interessant aber ja eigentlich logisch.
00:18:09: Es gibt weniger von diesen starken Treibhausgasmethan.
00:18:13: Das wird kühler.
00:18:14: Dann vereisen Flächen, dann wird mehr Sonnenlicht reflektiert und weggeschickt wieder.
00:18:19: Also die Energie geht wieder raus und alles wird also noch kälter.
00:18:22: Das führt dazu das noch mehr Flächen vereisen und dann wird es wieder noch kärter weil noch mehr Sonne Licht weggeschickt wird.
00:18:27: Das stinkt dann wie ein Teufels-Eiskreis.
00:18:30: Wie ist die Erde da wieder rausgekommen?
00:18:32: Sonst hätte sie ja bis zum absoluten Nullpunkt rückkopplungsmäßig abkühlen können.
00:18:36: Ja, zum Glück gab's den Vulkanismus und der war damals in einer ganz anderen Dimension vorhanden als wir das heute kennen.
00:18:42: was heute so ausbricht dass es alles pillepalle dagegen ist zwar wirklich heftiger vulkanismus der teilweise über hunderttausende von jahren permanent stattfand und dieser vulkanismos dieser riesen vulkanis muss.
00:18:53: er ist wirklich ein großer player immer gewesen in der klimageschichte der Erde.
00:18:57: Denn wenn ein geschmolzenes Gestein, also Magma aus den Tiefen des Erdmantels aufsteigt und dann die Oberfläche erreicht.
00:19:03: Dann wird dabei auch immer massenhaft von dem Treibhausgas CO² freigesetzt.
00:19:07: Und das kann sich danach und nach in der Atmosphäre ansammeln.
00:19:11: Und zwar besonders dann, wenn die Erdoberfläche vereist ist.
00:19:15: Wieso hat das eine Auswirkung?
00:19:17: Dass die Erdogelfläche vereist ist auf CO²?
00:19:20: Da kommt jetzt noch ein neuer Aspekt ins Spiel.
00:19:21: Der super spannend ist denn... Wenn die Erdoberfläche komplett oder zu einem ganz großen Teil von Eis bedeckt ist, dann ist ein großer Kohlenstoffkreislauf unterbrochen.
00:19:29: Dieser Kreislauf funktioniert wie folgt – CO₂ aus der Luft kann sich teilweise im Regenwasser lösen und dann zur Boden fallen und dort auf Gesteintreffen.
00:19:38: Und das Gestein kann chemisch reagieren mit dem Kohlendioxid in Wasser und verwittern!
00:19:42: Durch diese Verwitterung des Gesteins wird das CO₁, das ursprünglich aus der luft runtergeregnet ist, dauerhaft im Gesteinein gebaut.
00:19:49: Das ist ein Mechanismus Ständig, natürlicherweise einfach durch den Kontakt von Luft und Wasser und Gestein CO² aus der Atmosphäre entfernt wird.
00:19:59: Das ist kurze Nebenbemerkung etwas was auch heute noch abläuft aber leider so langsam dass es uns nicht hilft mit dem vielen CO² das wir in den letzten zweihundert Jahren durch Verbrennung freigesetzt haben.
00:20:08: Aber damals hat's eine Rolle gespielt
00:20:10: über die langen Zeiträume fahren.
00:20:11: Ja, spielt auch heute eine Rolle aber eben über viel größere Zeiträumer als so ein menschliches Leben sagen wir mal.
00:20:16: So wenn jetzt die Erde aber großflächig vereist ist dann regnet es ja kaum oder gar nicht und außerdem ist das Gestein ja von einer dicken Eisschichtüberlagert gewesen und deshalb konnte eben auch keine Verwitterung dass CO² aus der Luft holen.
00:20:28: also sammelte sich mit jedem weiteren Vulkanausbruch immer mehr CO² in der Luft
00:20:32: an.
00:20:33: Also das sind dann verschiedene große starke Effekte, die so gegeneinander angetreten sind.
00:20:38: Das heißt jetzt was ihr gerade erzählt habt der Gegenteffekt zu diesem immer kälter Teufels-Eiskreis.
00:20:43: da kommen jetzt die Vulkanen ins Spiel, vulkane gegen Eisberge, Kampf der Giganten und jetzt wird der Treibhauseffekt also stärker wieder, weil immer mehr CO² durch den Vulkanismus rausgehauen wird und gewinnt jetzt wieder wenn ich es richtig verstehe die Oberhand.
00:20:56: das Eis beginnt zu schmelzen.
00:20:58: Es wird immer weniger Sonnenlicht reflektiert weil immer weniger Eis auf der Oberfläche ist.
00:21:03: Das Eis schmilzt dann also noch schneller.
00:21:05: Rückkopplung jetzt wieder in die andere Richtung bis die Eiszeit irgendwann vorbei ist.
00:21:09: Genau, und dann wird es nachdem sowas passiert ist erst mal ziemlich warm.
00:21:12: das Eis ist weg und das CO-Zweiß immer noch in der Luft und verwittert jedenfalls nicht so schnell wieder raus.
00:21:18: mit der Zeit ist natürlich die Verwitterung wieder da auch als Player und kann das CO zwei wieder aus der Atmosphäre entfernen Und dann kühlt es mit der zeit auch wieder ab.
00:21:27: alles über wie gesagt sehr lange zeiträume.
00:21:29: wir reden von ja millionen.
00:21:30: Also
00:21:30: wir haben am Anfang gesagt, wir reden heute ein bisschen über die natürlichen Klimaschwankungen aus den Frühzeiten unseres Planeten.
00:21:36: Aber das war untertrieben!
00:21:37: Das ist ja die ganze Temperaturachterbahn, die wir hier erzählen.
00:21:40: also erst super heiß dann Sauerstoff-Katastrophe kein Methan mehr der BAM Eiszeit Dann greifen die Vulkane an es wird wieder warm sogar sehr warm.
00:21:48: also wie ich die Erde so kenne geht jetzt gleich wieder in die nächste Eiszeit weil irgendwas koppelt sich jetzt wieder rück und dann wird's wieder eiskalt.
00:21:55: Ja, es geht nicht unbedingt gleich in die nächste Eiszeit denn das hängt davon ab wo sich jetzt so ein neues Gleichgewicht in diesem riesigen Kohlenstoff sehr langsamen Kohlenstoffkreislauf einstellt.
00:22:03: also wie schnell wird das CO-II durch Verwitterung aus der Atmosphäre wieder entfernt?
00:22:08: Und wie schnell mit neues CO-I durch weitere Vulkanausbrüche wieder nachgeliefert?
00:22:13: Da stellt sich irgendeine Form von Gleichgewichts ein und kann es auch mal eine gewisse Zeit lang gleich warm
00:22:17: bleiben.
00:22:17: Okay aber es pendelt sich zwischen den Variablen irgendwie ein.
00:22:20: okay Dann schauen wir uns das jetzt in dieser Situation direkt mal anziehen.
00:22:24: Unsere Downenjacken aus, sausen mit der Zeitmaschine zum Ende der ironischen Eiszeit wo es wieder warm wird.
00:22:31: Wo landen wir da?
00:22:32: Wir landen in der Zeit vor ungefähr zwei Milliarden Jahren und durch den Sauerstoff, und das kaum noch vorhandene Methan in der Luft hat sich die Atmosphäre inzwischen wieder sehr stark verändert.
00:22:40: Wir sind jetzt bei der dritten Atmosphere angekommen Und hier hat im Prinzip schon die gleichen Gase wie heute aber noch einen ganz anderen Anteil nämlich mehr CO² und gleichzeitig auch noch viel weniger Sauerstoffs als heute.
00:22:52: Jetzt beginnt eine Zeit mit einem ganz besonderen Namen in der Erdgeschichte Nämlich Die Boring Billion Die langweilige Milliarde von Jahren.
00:22:59: Damit wird die Zeit bezeichnet, von ungefähr zwei Milliarden Jahren bis vor ungefähr einer Milliarde Jahre.
00:23:05: Da war das Klima relativ stabil und es ist einfach für geologische und biologische Verhältnisse kaum was passiert.
00:23:11: Allerdings gab es ja die ganze Zeit weiterhin das Leben.
00:23:13: Und Cianobakterien und auch Algen, also die einzellige Pflanzen haben in dieser Phase immer mehr Sauerstoff produziert sodass jetzt auch erste Organismen sich entwickeln konnten, die ihrerseits Sauerstoffs verbrauchen.
00:23:24: Also quasi unsere Vorfahren, die einen ähnlichen Stoffwechsel haben wie wir Menschen und die Tiere ihn haben aber auch vor diese einer Milliarden Jahren waren das noch nicht mehr als drei Prozent Sauerstof, die in der Luft waren.
00:23:34: Es gab an Land keine Pflanzen und erst recht keine Tiere.
00:23:38: Die Landflächen, also die Kontinente, sahen damals auch noch ganz anders aus als heute.
00:23:42: Der Grund ist die Platten-Tektonik, dass sich sozusagen die äußere Kruste der Erde ständig verändert hat und dadurch ist immer wieder neues Gestein an die Oberfläche geliefert worden.
00:23:53: Das konnte mehr CO² aus der Luft verwittern, besser wie CO² von der Atmosphäre einfangen.
00:24:00: Und das Treibhausgas-CO² wurde immer mehr gebunden – die Erde ist abgekühlt.
00:24:05: Du hast es schon geahnt, Jens.
00:24:06: Es kam mit der Zeit dadurch zu einer Eiszeit und das war dann so etwas was im Wechsel immer wieder passiert ist also Eiszeiten und warme Phasen.
00:24:14: Das ist noch mehrmals passiert bis dann das Zeitalter begann dass sozusagen jetzt gerade läuft.
00:24:19: das sozusagen das letzte Zeitalte aus unserer Sicht.
00:24:21: das heißt dann in der Geologie das Farnerozoicum.
00:24:24: das ist altgriechisch und heißt ungefähr das zeitalter des sichtbaren Lebens Also sozusagen alles voll von Lebewesen.
00:24:29: Und da reisen wir jetzt hin denn das ist ja wirklich die spannendste zeit für uns da.
00:24:33: er saß schon ein bisschen ähnlich aus, wie es heute aussieht.
00:24:36: Auch noch ganz anders aber wir kommen so langsam in die Nähe!
00:24:38: Wir reisen eine Zeit vor etwa fünfhundertvierzig Millionen Jahren und zwar ins Cambrium.
00:24:44: Das kennen sogar ich obwohl ich nicht top eingelesen bin für heute Denn das Kambryom kommt ja im Begriff kambrische Explosion vor.
00:24:52: Das hat man im Biounterricht vielleicht mal erklärt bekommen.
00:24:54: und kambrische Explosionen, wenn ich mich richtig erinnere heißt nicht dass da irgendein Vulkan explodiert ist sondern es geht um die Explosion des Lebens, die damals stattfand.
00:25:03: Ich glaube da entstanden wahnsinnig viele Tierarten und zwar richtige Tiere mit mehreren Zellen pro Tier sichtbares Leben.
00:25:11: Genau, allerdings immer noch nur in den Ozean.
00:25:13: also ich bin kein Biologe aber ich glaube damals sind fast alle bis heute noch existierenden Tierstämme entstanden.
00:25:18: es war ein unglaubliche Vielfalt die da auf einmal auftrat und der Sauerstoffgehalt im Meer auch.
00:25:23: eine Atmosphäre der Wahl eben inzwischen auch so hoch dass die Evolution jetzt viel mehr Spielraum hatte
00:25:28: durch die ganzen Pflanzen die Sauerstoffs abgegeben haben.
00:25:31: ja
00:25:31: genau
00:25:32: Aber die Temperatur musste auch stimmen, damit die Evolution sozusagen schnell voranschreiten konnte.
00:25:37: Die Sonne war immer noch schwächer als heute aber es war trotzdem deutlich wärmer im Cambrium als wir's heute haben und zwar bis zu zehn Grad wärmer als heute im Schnitt.
00:25:46: Es war auch noch viel mehr CO-Zwei in der Luft nämlich wahrscheinlich über sechstausend PPM.
00:25:50: das ist das fünfzehnfache des heutigen Wertes.
00:25:53: Und dass hat die Sonne, die immer noch ein paar Prozent schwächter war als heute mehr als kompensiert und hat dafür gesorgt, dass es im Cambriom ordentlich warm war auf der Erde.
00:26:01: Und danach sind weitere bedeutende Ehrzeitalter gefolgt, die auch teilweise richtig ulkige Namen haben und verschiedene Bedeutung haben.
00:26:08: Da gab es das Ordovizium und das Devon – und vor allem aber auch das Carbon!
00:26:12: Ja, das Carbon war eine ganz besondere Zeit.
00:26:15: Damals wuchsen Pflanzen schon auf der Erde.
00:26:17: Das waren noch andere Pflanzen als wir sie heute kennen aber die waren für unsere heutige Zeit total wichtig denn das sind die Pflanzen, die wir heute noch in Form von Steinkohle ausgraben.
00:26:26: und zwar sind deshalb so unglaublich viele Pflanzenreste damals entstanden weil die Mikroorganismen Pflanzen jetzt zersetzen können.
00:26:32: Damals noch nicht so weit entwickelt war, dass sie vor allen Dingen das Lignin, das ist eine bestimmte Verbindung im Holz, zersetzt konnten und da hat sich unglaublich viel Biomasse angesammelt die über die Jahrmillionen dann zu Steinkohle wurde und die wir heute ausbuddeln.
00:26:45: Das heißt wenn ich das richtig interpretiere, dass heute gar keine neue Steinkohle mehr entstehen könnte.
00:26:50: selbst wenn wir Menschen uns jetzt mal ein paar Millionen Jahre von der Erde zurückziehen würden würde keine Kohle entstehen mehr weil heute die Bakterien viel mehr drauf haben und das alles viel schneller zersetzen könnten.
00:27:00: Genau, das wusste ich bis vor Kurzem auch nicht aber ich habe das in einem super Podcast gehört.
00:27:04: Ich glaube Michael du kennst den auch.
00:27:05: Astrogeo heißt der?
00:27:06: Ja Der ist von dem Geologen Karl Urbahn und von der Astrophysikerin Franziska Konitzer
00:27:11: Klar.
00:27:12: Und das ist eben vor allem diese tolle Verbindung von astronomischen Themen und der Geologie, wo wir Physiker ja manchmal denken – Geologie kann ich bestimmt auch!
00:27:20: Aber eigentlich gibt's da wahnsinnig viel zu wissen was wir nicht einfach so drauf haben.
00:27:25: Und beim AstroGeo Podcast gibt es gleich mehrere Folgen über die Klimageschichte der Erde.
00:27:29: Wer dann noch tiefer einsteigen möchte für den werden wir einige von den Folgen von Astro Geo in den Showdowns von diesem Podcast verlinken denn das lohnt sich wirklich wenn man dazu noch mehr wissen will.
00:27:37: So, und in all diesen Zeitspannen die Michael auch gerade aufgezählt hat gab es natürlich auch immer wieder große Klimaschwankungen.
00:27:43: Trotzdem war's die meiste Zeit über relativ warm also deutlich wärmer als heute so etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Grad im weltweiten Schnitt.
00:27:51: trotzdem gab's auch Eiszeiten.
00:27:52: Zwei Stück von zwei Stück wissen wir mindestens.
00:27:55: Und am heißesten war es dann am Übergang vom sogenannten Perm zum Trias.
00:27:59: Da stieg die Temperatur um ungefähr acht Grad auf fünfundreißig Grad Celsius Im Durchschnitt im weltweitendurchschnitt.
00:28:07: Oh, das sind ja zwanzig Grad mehr als der Durchschnitt heute.
00:28:09: Das ist ja bei fünfzehn ungefähr.
00:28:10: ne?
00:28:10: Genau!
00:28:11: Das kann man schon aus heutiger Sicht als eine Treibhaushölle bezeichnen.
00:28:14: Ausgelöst durch sogenannten MEGA-Wulkanismus, durch die nochmal sehr viel mehr CO² und andere Treibhausgase in der Atmosphäre gelandet sind.
00:28:22: Und das hatte in relativ kurzer Zeit – wir sprechen davon Jahrtausenden Katastrophale Folgen auch für das Leben, denn so eine Temperaturerhöhung um acht Grad löst ganz viele verschiedene Prozesse aus und das sind eben auch Prozisse die das Leben nicht kalt lassen höhhö.
00:28:38: Und deswegen gab es an dieser sogenannten Perm Trias Grenze die ungefähr zweihundertfünfzig Millionen Jahre zurückliegt, das größte bekannte Massenaussterben der Erdgeschichte.
00:28:48: Fünfundneunzig Prozent aller Meeresbewohner und ungefähr seventy-fünf Prozent der Landlebewesen sind damals ausgestorben wegen dieser Erwärmung um acht Grad innerhalb weniger Jahrtausende.
00:28:59: Und neben den Meerespflanzen wurde eben auch die Vegetation an Land so stark dezimiert, dass der Sauerstoffanteil in der Luft ganz schnell abgesunken ist.
00:29:07: Denn es gab viel weniger Lebewesen, die Sauerstoffs produzieren nachproduzieren und der Sauersstoffgehalt in der luft ist auf zehn bis fünfzehn prozent abgesunken, nachdem er vorher teilweise bis zu fünfundreißig Prozent betragen
00:29:19: hat.
00:29:20: krasse Veränderungen, die wir heute besprechen ich habe eben mal einmal von einer Achterbahnfahrt oder einer Klimaachterbahnfach gesprochen in den ersten Milliarden Jahren unseres Planeten durch eben diese verschiedenen Effekte, chemische Reaktionen in der Luft die den Anteil von Treibhausgasen verändert haben.
00:29:38: Eis auf der Erdüberfläche und die Reflexion der Energie ins All, die dann stärker oder weniger stark stattfindet.
00:29:44: Vulkanismus, der mal stärker mal weniger stark start findet.
00:29:47: Und CO²- und andere Gasefreisätze.
00:29:49: Verwitterungseffekte mit den Steinen!
00:29:51: Und all diese Effekten, die treibhausgase immer wieder neu auszarieren, führen eben zu solchen fundamental anderen Lebensbedingungen auf der Erde oder überhaupt Bedingungen.
00:30:01: Also Achterbahnfahrt ist ja fast viel zu klein.
00:30:03: gesagt wir haben tatsächlich mehrmals einen völlig anderen Planeten bekommen.
00:30:06: Wir, wir rantern noch nicht da aber der Planet ist tatsächlich als wenn es ein anderer Planet wäre immer wieder sehr stark verändert worden fand ich sehr interessant heute mal diese Mechanismen dahinter die da am Werk sind kennenzulernen.
00:30:17: für diese großen natürlichen Veränderungen ist natürlich weit weg von uns.
00:30:20: heute
00:30:21: ja.
00:30:21: aber es gibt auch noch weitere natürliche Faktoren die auch immer noch bis heute das Klima verändern und darüber wollen wir auch nächste Woche sprechen weil sie vor allen Dingen in der jetzigen Zeit besonders wirksam sind.
00:30:31: Da kann ich mich dann auch als Astrophysiker ein bisschen austoben.
00:30:33: dann kommen nämlich die Melankowitsch-Züge ins Spiel.
00:30:36: Das hat damit zu tun, dass die Erde nicht auf einer immer gleichen unveränderlichen Umlaufbahn um die Sonne läuft sondern das es da immer gewisse Schwankungen gibt und dass die Erde immer so ein bisschen hin und her taumelt und pendelt und eiert!
00:30:48: Und das wirkt sich natürlich auch darauf aus wie viel Sonneneinstrahlung überhaupt auf die Erde trifft und das hat ganz wichtige Auswirkungen auf das Klima der Erde die bis heute wirksam sind und die wollen wir dann in Ruhe besprechen.
00:30:58: Also und jetzt kommen wir dann doch in Richtung der heutigen aktuellen Debatte über die Klimaveränderung, denn ich glaube diese Milankovic heißt das ja Zyklin.
00:31:07: Die sind doch verantwortlich dafür dass die letzte Eiszeit bisher vor zwanzigtausend Jahren ist, die angefangen hat.
00:31:13: Genau aber das erklären wir ganz genau erst nächste Woche.
00:31:15: Das ist wirklich spannend!
00:31:16: Und da erfährst du auch, dass wir eigentlich sogar jetzt immer noch in einem Eiszeitalter stecken und darin nur aktuell eine relativ warme Phase erleben.
00:31:26: was wir alles gemacht haben heute und dann in der nächsten Folge eben die gute Grundlage dafür ist zu sehen, okay wie verhält sich das denn zur heutigen Erderwärmung?
00:31:33: Die wir ja messen können.
00:31:35: Ist die Menschen gemacht und welche Rolle spielen diese natürlichen Prozesse, die wir dann mehr oder weniger alle einmal durchgenudelt haben dabei?
00:31:42: Und heute haben wir gesagt Wir lieben Eiszeiten weil wir an den Extremen, wie die Eiszeite ja extreme sind viel ablesen können, viel lernen können über die Mechanismen, die unsere Bedingungen auf der Erde verändern.
00:31:52: Wie kommen wir jetzt in der?
00:31:55: Die sind ein Problem auch dieser Eiszeitnode.
00:31:57: Wir haben ein Problem damit, was wir
00:31:58: aufspießen.".
00:31:59: Das Problem mit den Eiszeiten wird sich darum drehen dass diese Klimaveränderungen in der Geschichte uns zeigen das es immer wieder Rückkopplungseffekte gibt.
00:32:06: Dass wenn CO²-Konzentrationen sich erhöht dann folgt Wasserdampf.
00:32:10: Wenn Wasserdampf gefolgt ist dann Folgen die Polkappen und dass all dies sich aufschwingen kann zu einer Veränderung die sehr drastisch ist und auch in relativ kurzer Zeit abläuft.
00:32:18: Und das Problem is' dass wir Menschen jetzt wahrscheinlich In Einer Liga spielen Mit dem was Vulkaner Erdzeitaltern bewirkt haben können.
00:32:26: In einer Liga spielen mit dem, was die ersten Mikroorganismen auf der Erde über Jahrmillionen am Klima und an der Atmosphäre verändert haben – und dass wir Menschen damit möglicherweise auch Rückkopplungseffekte auslösen, die wir uns noch kaum vorstellen können, weil unsere Weltwirtschaft innerhalb weniger Jahrhunderte etwas bewirgt, was früher über Jahrtausende- und Jahrmillioninnen auch schon passiert ist?
00:32:47: Das wird das Problem mit den Eiszeiten sein!
00:32:49: Und auch wenn das jetzt ein bisschen gruselig klang, was Michael teilweise gesagt hat, schaltet unbedingt nächste Woche wieder ein.
00:32:54: Das wird richtig spannend, was wir da erzählen möchten!
00:32:57: Jetzt freuen wir uns auf den Feierabend hier bei uns im Studio und freuen uns auf euch wieder nächste Woche, wenn ihr wieder zuhört!
00:33:02: Bis dann Tschüss!
00:33:09: Jetzt mal ganz in Ruhe ist eine Studio-Feinstein-Produktion ermöglicht durch die deutsche Bundesstiftung Umwelt und begleitet von der Universität Hamburg.
00:33:16: Unser Podcast soll aufgenommen in der Wellenschmiede in Hamburg-Sankt Pauli.
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